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Interview mit Bürgermeister Klaus Homann

BP: Herr Homann, gleich zu Beginn eine kniffelige Frage: Wie wollen Sie die leeren Kassen der Marktgemeinde Hirschaid wieder füllen?
Homann: Im Augenblick ist es so, dass uns einige Millionen Euro im Haushalt fehlen. Deswegen müssen wir an den verschiedensten Stellen sparen. Auf Verlangen des Landratsamtes werden wir gezwungen sein, die aktuelle Gewerbesteuer wie auch die Grundsteuer A und B auf zu erhöhen damit diese einer Kreditaufnahme zustimmen. Des Weiteren müssen wir schauen, wo wir an freiwilligen Leistungen sparen können. Im Augenblick bringen wir ca. 5 Millionen freiwillige Leistungen auf. Aber auch bei Pflichtaufgaben heißt es prüfen ob alles nötig ist und wir nicht etwas „schieben“ können. Im Augenblick spielt uns der schwache Winter „in die Karten“ der uns weniger Straßenschäden beschert. Jedes Jahr erstellen wir mit einem Fachbüro ein Gemeinde- und Straßensanierungskonzept auf nach dem wir die wichtigsten Aufgaben dann abarbeiten.

BP: Da wir gerade bei Straßen sind. Was ist im Jahr 2015 an Änderungen in Sachen Verkehr geplant?
Homann: Wir werden ein Parkplatz- und Verkehrskonzept angehen. Dieses beinhaltet auch eine Verkehrsüberwachung um die wir nicht herumkommen. Bei einer Testmessung wurde festgestellt dass sich fast kein Verkehrsteilnehmer an die Tempo-30-Zone hält und Parkverbotsschilder, man könnte fast meinen, nur zur Verschönerung der Straßen dienen. Hier müssen unsere schwächsten Verkehrsteilnehmer (Fußgänger, Radfahrer und vor allem Kinder) besser geschützt werden. Und das geht wahrscheinlich nur über den Geldbeutel. Mittlerweile hat der MGR bereits „grünes Licht“ für entsprechende Maßnahmen gegeben wofür ich sehr dankbar bin. In Sachen „Kreisverkehr Köttmannsdorf“ beginnt jetzt die Planungsphase. In Kürze werden die Planungen dem Marktgemeinderat vorgestellt so dass wir mit den Baumaßnahmen 2016 beginnen können. An dieser Stelle möchte ich mich für die gute Zusammenarbeit mit dem Landrat dem Straßenbauamt und dem Landratsamt bedanken die die Maßnahme unter höchster Priorität eingestuft haben.

BP: Bleiben wir noch beim Verkehr. Wie ist denn der aktuelle Planungsstand bezüglich der ICE-Trasse und des „Öffentlichen Personennahverkehrs“?
Homann: Demnächst soll das Planfeststellungsverfahren für den ICE kommen. Hier ist es Ziel der Gemeinde, den betroffenen Bürgern bei ihren Einsprüchen zu helfen und das bestmöglichste Ergebnis in Sachen Lärmschutz, Sicherheit und Verkehr während und nach der Bauphase zu gewährleisten. Wir haben bereits ein Anwaltsbüro in München beauftragt die bereits Erfahrung bei dieser Thematik hat und „in den Startlöchern steht“ um uns sofort juristische Unterstützung zukommen zu lassen. Der Rufbus entspricht im Augenblick nicht unseren Vorstellungen. Aus diesem Grund müssen wir uns Gedanken machen, wie wir nach Ablauf des Förderprogrammes zum 31. Mai 2016 weiterverfahren können. Ich stelle mir feste Fahrzeiten im Schulverkehr wie auch im Berufsverkehr Morgens, Mittags und Abends vor. Dazwischen soll der Rufbus flexibel bleiben. Mittlerweile habe ich beim Landratsamt einen „Runden Tisch“ beantragt um sich dieser Thematik bereits jetzt anzunehmen. Auch zähle ich hier auf unseren AK Verkehr der bis jetzt auch gute Vorschläge eingebracht hat. BP: Thema Breitbandausbau. Wie schaut es damit in Hirschaid aus? Der Breitbandausbau hat sich leicht verzögert auf Grund der vielen Anträge der bayerischen Gemeinden. Demnächst werden wir die Ausschreibungen abschließen so dass im Jahr 2016 mit dem Ausbau begonnen werden kann. Wir prüfen auch ob einzelne Schwerpunkte vorgezogen werden können. Ich möchte auch betonen, dass wir in der glücklichen Lage sind, dass bei der Maßnahme 80% vom Freistaat gefördert werden. Andere Gemeinden werden lediglich mit 60% gefördert. So bleibt bei uns noch ein Rest von ca. 300 Tsd. Euro für den wir aufkommen müssen. Durch eine Zusammenarbeit mit Altendorf können wir noch einmal 50 000.- Euro an Fördermitteln erhalten. Bei der ganzen Maßnahme heißt es „am Ball zu bleiben“ denn Internetausbau ist mittlerweile genauso wichtig wie die Versorgung mit Wasser, Straße und Kanalisation.

BP: Sie haben in Ihrem Wahlprogramm versprochen, dass sie den Ärztestandort Hirschaid sichern und erweitern wollen. Wie schaut es in dieser Hinsicht aus?
Homann: Mitte des Jahres wird das Fachärztehaus in der ehemaligen Diskothek voraussichtlich fertig. Die Baumaßnahmen laufen auf Hochtouren. In dem Gebäude entstehen Räumlichkeiten für eine Chirurgische Orthopädie, Räume für Radiologie, ein Arzt wird Räume zur Osteoporosebehandlung einrichten und vielleicht kommt auch noch ein Physiotherapeute. Die Versorgung durch Allgemeinmediziner ist in den nächsten Jahren ebenfalls gesichert. Ich habe mich mit einigen Ärzten die kurz vor dem Rentenalter stehen oder dies bereits überschritten haben unterhalten. Alle versicherten mir Ärzte aus Leidenschaft zu sein und noch nicht ans Aufhören zu denken. Das habe ich natürlich gerne gehört. Ich verlasse mich auch auf unsere Allgemeinmediziner, dass sie sich selbst rechtzeitig nach Nachfolgern umschauen. Dieser Wille war bei allen Medizinern vorhanden.

BP: Da in der Regnitzau die Arbeiten zur Hochwasserfreilegung beendet wurde, nun die Frage: Wie schaut es auf der anderen Seite, in Sassanfahrt, aus?
Homann: Vor kurzem wurde mir mitgeteilt, dass die Hochwasserfreilegung in Sassanfahrt nicht mehr die höchste Dringlichkeitsstufe A hat. Hier sehe ich absoluten Handlungsbedarf. Der Freistaat Bayern und auch die Marktgemeinde Hirschaid steht hier in der Pflicht. Ich habe mittlerweile mehrmals mit dem Leiter des Wasserwirtschaftsamtes Kronach gesprochen der mir seine volle Unterstützung zugesagt hat diese Maßnahme wieder in die höchste Priorität einzustufen. Ich werde hier auf Gespräche bei den entsprechenden Stellen drängen um dieses Ziel zu erreichen.

BP: In letzter Zeit wurde mehrmals über eine Erweiterung der Friedhofsanlagen in Sassanfahrt und Hirschaid diskutiert. Wie ist der aktuelle Stand?
Homann: Ich bin kein Befürworter, dass wir unsere Friedhofsflächen verdoppeln. Unsere Bestattungskultur hat sich mittlerweile stark geändert. Die Urnenbegräbnisse liegen in Hirschaid bereits bei 50%. Einige Bürger suchen ihre „letzte Ruhestätte“ im Friedwald in Ebermannstadt andere wählen als Begräbnisstätte Stelen oder Urnenwände. Alles das benötigt nicht viel Platz. Auf der anderen Seite haben wir sehr viele Lücken auf beiden Friedhöfen. Darum bin ich der Meinung wir sollten uns von dem Gedanken Friedhofserweiterung verabschieden und aus dieser Fläche Bauplätze für unsere jungen Leute machen die händeringend danach suchen um in ihrem Heimatort weiter bleiben zu können. Mit dieser Maßnahme können wir einen weiteren Schritt zur innerörtlichen Verdichtung vollziehen und unsere außerörtlichen Flächen schonen. Die letzte Entscheidung hierüber hat aber der Marktgemeinderat.

BP: Sehr geehrter Herr Bürgermeister Homann wir bedanken uns für das aufschlussreiche Gespräch. Das Gespräch für den Blickpunkt führten Markus Hadwiger und Andreas Göller

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